
Nach dem desaströsen Abschneiden der SPD bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz wächst der innerparteiliche Druck auf die Parteispitze deutlich. Juso-Bundeschef Philipp Türmer fordert offen eine Neuaufstellung der Führung und stellt damit die künftige Rolle der Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas zur Disposition. „Klar ist: So wie jetzt kann es nicht weitergehen. Mit diesem Kurs marschieren wir in den Abgrund“, sagte Türmer dem „Spiegel“. Die bisherigen Antworten der Parteiführung auf die jüngsten Wahlergebnisse und auf die schwachen Umfragewerte reichen aus Sicht der SPD-Jugendorganisation nicht aus.
Zentraler Kritikpunkt der Jusos ist die Doppelfunktion der SPD-Vorsitzenden, die zugleich Ministerämter ausüben. Bas ist Arbeitsministerin, Klingbeil Finanzminister. „Die Rollenteilung an der Parteispitze klappt aktuell nicht“, so Türmer. „Die Doppelrolle der Parteivorsitzenden, die zugleich Minister sind, funktioniert überhaupt nicht.“ Die parteiinterne Erwartung an die Spitze sei klar: Klingbeil und Bas müssten darlegen, „was sie anders machen wollen, oder ob sie ihre Positionen zur Verfügung stellen“. Aus Bayern kam Rückendeckung für diese Linie: Der dortige Juso-Landesvorsitzende Benedict Lang bezeichnete die Ämterhäufung als „eindeutig gescheitert“ und forderte, sie müsse „zeitnah aufgelöst werden“.
Neben der Personal- und Strukturfrage nimmt Türmer auch die inhaltliche Ausrichtung und die Arbeitsweise der SPD ins Visier. In den anstehenden Reformverhandlungen mit der Union dürfe sich die Partei nicht treiben lassen, warnte der Juso-Chef. Reformen seien „kein Selbstzweck“, sondern müssten „die richtigen Leute erreichen“. Eine einfache Übernahme von Forderungen der CDU lehnt er ab. Damit signalisiert der Nachwuchsverband, dass er einen eigenständigen sozialdemokratischen Kurs einfordert, der sich deutlicher von der politischen Konkurrenz abgrenzt.
Schließlich kritisieren die Jusos auch den Zustand der innerparteilichen Gremienarbeit scharf. Türmer spricht von „sinnloser Beschäftigungstherapie“ und bemängelt, dass die Diskussionen häufig um die Partei selbst kreisten, ohne klare Ergebnisse zu liefern. „Am Ende gibt es keine Linie, keine Strategie“, lautet sein Befund. Während die Jusos, deren Mitglieder bis 35 Jahre etwa 12 Prozent der Gesamtpartei stellen, auf Konsequenzen drängen, hatten Klingbeil und Bas angekündigt, trotz der Niederlage in Rheinland-Pfalz im Amt bleiben zu wollen. Wie weitreichend die nun angestoßene Debatte über Kurs und Struktur der SPD-Führung geht, dürfte maßgeblich bestimmen, wie die Partei aus der aktuellen Krise herausfindet.

Der Technologiekonzern Jenoptik blickt nach einem rückläufigen Geschäftsjahr wieder optimistischer nach vorn und stellt seinen Aktionären neben einer höheren Dividende eine Rückkehr auf den Wachstumspfad in Aussicht. Das erst vor kurzem in den MDax aufgestiegene Unternehmen aus Jena erwartet ab dem laufenden Jahr eine spürbare Belebung der Nachfrage, insbesondere im Bereich Halbleiterausrüstung. Trotz weiterhin schwer einzuschätzender makroökonomischer und politischer Rahmenbedingungen rechnet der Vorstand zudem mit Zuwächsen in den Kernmärkten Medizintechnik sowie Mess- und Verkehrstechnik.
2025 war das operative Ergebnis (Ebitda) von Jenoptik um gut 13 Prozent auf 192,5 Millionen Euro gesunken, der Umsatz schrumpfte um gut sechs Prozent auf 1,05 Milliarden Euro. Der Auftragseingang verringerte sich um mehr als drei Prozent auf knapp 993 Millionen Euro. Hauptgrund waren eine schwächere Nachfrage aus der Chip- und der Automobilindustrie. Für 2026 peilt der Konzern nun wieder ein Umsatzwachstum im einstelligen Prozentbereich an; von den Erlösen sollen 19 bis 21 Prozent als operatives Ergebnis (Ebitda) übrig bleiben, nach einer Marge von 18,4 Prozent im vergangenen Jahr.
Am Kapitalmarkt stoßen die neuen Zielmarken auf verhaltene Zustimmung. Nach Einschätzung von Analyst Henrik Paganetty vom Analysehaus Jefferies decken sich die Aussagen des Managements weitgehend mit den aktuellen Markterwartungen. Dem in Aussicht gestellten Ebitda-Margen-Korridor von 19 bis 21 Prozent steht eine Konsensschätzung von 20 Prozent gegenüber, beim Umsatz rechnen Analysten im Schnitt mit einem Plus von rund acht Prozent. Die angekündigte höhere Dividende soll zusätzlich Vertrauen bei den Anteilseignern schaffen.
Parallel zur strategischen Neuausrichtung stellt Jenoptik auch personell die Weichen neu. Nach dem überraschenden Abgang von Vorstandschef Stefan Traeger Mitte Februar ohne nähere Begründung soll spätestens im Oktober der Physiker Dominic Dorfner den Vorsitz des Vorstands übernehmen. Der Mittvierziger leitet derzeit noch den Leistungselektronikspezialisten Semikron Danfoss mit über 4.000 Beschäftigten und ist vom Aufsichtsrat für zunächst drei Jahre bestellt. Nach dem Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats ist der Chefposten damit die zweite zentrale Führungsposition, die neu besetzt wird. Jenoptik, mit weltweit knapp 4.500 Mitarbeitern eines der wenigen börsennotierten Technologieunternehmen in Ostdeutschland, verbindet die personelle Neuaufstellung mit dem Anspruch, die avisierte Trendwende im operativen Geschäft umzusetzen.