Nische mit Perspektive: Wie Ost-Winzer den Boom alkoholfreier Getränke bewerten

24.03.2026


In Ostdeutschland wachsen Angebot und Aufmerksamkeit für alkoholfreie Weine und Sekte, doch die Branche bleibt gespalten. Während große Marken wie Rotkäppchen-Mumm in alkoholfreien Schaumweinen einen zentralen Wachstumstreiber sehen, sprechen viele Weingüter weiterhin von einem Nischenmarkt. Der übergeordnete Trend ist eindeutig: Der Weinkonsum in Deutschland ist nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) rückläufig, während der Absatz von Sekt und Schaumwein mit rund 3,5 Litern pro Kopf bei über 16-Jährigen weitgehend stabil bleibt. "Die Deutschen sind Weltmeister im Sekttrinken", sagt Martin Junge, Sprecher des sächsischen Staatsweinguts Schloss Wackerbarth – jede fünfte Flasche Sekt weltweit wird hierzulande geöffnet.

Schloss Wackerbarth hat seinen Sektabsatz seit 2002 nach eigenen Angaben verfünffacht und versucht seit dem vergangenen Jahr, an diesem Erfolg mit einem alkoholfreien Premium-Sekt anzuknüpfen. Die technische Entalkoholisierung bringt jedoch sensorische Probleme mit sich: Kellermeister Jürgen Aumüller verweist darauf, dass Alkohol auch ein Geschmacksträger ist. Entzieht man ihn dem Grundwein, verändert sich das gesamte Profil. Um eine vergleichbare Fülle im Glas zu erreichen, mussten Süße und Säure neu austariert werden, "um einfach den Geschmack ein bisschen vollmundiger zu gestalten". Das Beispiel unterstreicht, dass Qualität bei alkoholfreien Produkten nicht ohne erheblichen Entwicklungsaufwand zu haben ist.

Rotkäppchen-Mumm in Freyburg verfolgt einen deutlich offensiveren Kurs. Die bekannteste ostdeutsche Sektmarke bietet bereits seit 2008 alkoholfreie Varianten an und sieht darin einen "zentralen Hebel für weiteres Wachstum", wie Geschäftsführerin Silvia Wiesner betont. Nach Unternehmensangaben ist Rotkäppchen-Mumm heute Marktführer bei alkoholfreien Schaumweinen. Eine eigene Trendstudie mit 1.500 Befragten stützt die Strategie: Demnach wünscht sich rund die Hälfte der Teilnehmer mehr Auswahl im alkoholfreien Segment. Für den Hersteller ist das ein Signal, Sortiment und Marketing in diesem Bereich weiter auszubauen.

Deutlich zurückhaltender präsentiert sich die Winzervereinigung Freyburg. Geschäftsführer Hartmut Schreiter sieht alkoholfreie Weine vor allem als Ergänzungsprodukt – nicht als kommenden Massenmarkt. Derzeit machen alkoholfreie Sorten dort etwa drei Prozent des verkauften Weins aus. Die Zahlen spiegeln eine verbreitete Skepsis in Teilen der ostdeutschen Weinwirtschaft wider: Zwar verzeichnen laut DWI Absatz und Umsatz mit alkoholfreien Weinen Zuwächse, der Anteil am Gesamtgeschäft bleibt aber gering. Für große Marken und spezialisierte Betriebe eröffnet der Trend damit ein Feld für Profilierung und Wachstum, für viele klassische Winzer ist er bislang vor allem ein Versuchslabor mit begrenztem wirtschaftlichem Gewicht.

Hamburg ordnet E-Scooter-Verkehr mit 370 digitalen Parkzonen neu

24.03.2026


Hamburg verschärft den Umgang mit Leih-E-Scootern und setzt dafür konsequent auf digitale Steuerung. An 100 ausgewählten Haltestellen im Stadtgebiet hat die Verkehrsbehörde rund 370 virtuelle Abstellflächen eingerichtet, die per Geofencing definiert sind. Nutzer können ihre Fahrt nur beenden, wenn sie den Scooter innerhalb einer dieser Zonen abstellen – andernfalls läuft die Miete in der App weiter. Ziel ist es, das bislang weit verbreitete wilde Parken an Bus- und Bahnstationen einzudämmen.

Die E-Scooter werden in Hamburg vor allem auf kurzen Strecken zur nächsten Haltestelle genutzt, wie Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) betont. Gerade dort sei geordnetes Abstellen entscheidend, damit die Fahrzeuge nicht zu Hindernissen für andere Verkehrsteilnehmer werden. Mit den digitalen Abstellflächen sieht Tjarks eine „pragmatische Lösung“ für stark frequentierte Punkte im Netz, an denen sich bislang besonders viele Roller kreuz und quer angesammelt hatten.

Für Nutzer sind die neuen Parkzonen auf der Straße nicht sichtbar. Markierungen oder bauliche Einrichtungen gibt es nicht; die Flächen existieren ausschließlich virtuell und sind in den Apps der jeweiligen Anbieter hinterlegt. Versuchen Kunden, ihren E-Scooter außerhalb dieser digitalen Zonen zu parken, verhindert das System das reguläre Beenden der Miete. Die Verkehrsbehörde verweist auf die hohe Flexibilität des Ansatzes: Ändert sich die Situation an einer Haltestelle, lassen sich die virtuellen Flächen ohne Bauaufwand verschieben oder komplett löschen.

Die digitalen Parkzonen ergänzen das bestehende Netz an physischen Abstellmöglichkeiten. Im gesamten Stadtgebiet gibt es bereits 54 feste Parkzonen für E-Scooter. Zusätzlich entstehen im Stadtteil Harburg bis Ende Mai weitere 30 sichtbare Abstellflächen. Mit der Kombination aus digitalen und baulich ausgewiesenen Plätzen justiert Hamburg seine E-Scooter-Strategie nach – mit dem erklärten Ziel, die letzte Meile zur Haltestelle nutzbar zu halten, ohne Gehwege und Zugänge zu blockieren.