Münchner Rathaus: SPD-Bürgermeisterin warnt Grünen vor Selbstläufer-Koalition

30.03.2026


Im Münchner Rathaus deutet sich knapp einen Monat vor Amtsantritt des neuen Oberbürgermeisters Dominik Krause (Grüne) eine Fortsetzung der grün-roten Koalition an. Die dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) stellt sich öffentlich hinter diese Option, betont jedoch, dass ein Bündnis mit den Grünen nicht um jeden Preis zustande kommen werde. Damit markiert die SPD-Frau den Anspruch ihrer Partei, nach der Abwahl von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) nicht lediglich Anhängsel eines von den Grünen geführten Bündnisses zu sein.

Dietl verwies in einem Gespräch mit der Münchner "Abendzeitung" auf mehrere Treffen mit Krause seit dessen Wahl und sprach von einem konstruktiven Austausch. Zugleich räumte sie ein, dass die zurückliegenden sechs Jahre der grün-roten Zusammenarbeit „nicht immer astrein gelaufen“ seien. Die künftige Koalition müsse nun „glaubhaft machen, wie es besser gelingt“, so Dietl. Inhaltliche oder personelle Details nannte sie nicht, machte aber deutlich, dass die SPD aus den Erfahrungen der vergangenen Stadtratsperiode Konsequenzen ziehen will.

Die Grünen waren in den vergangenen sechs Jahren stärkste Kraft im Münchner Stadtrat und regierten bereits mit der SPD – damals noch unter dem SPD-Oberbürgermeister Reiter. Nach seinem deutlichen Sieg in der Stichwahl gegen Reiter hat Krause angekündigt, vorrangig mit dem bisherigen Partner SPD über eine Neuauflage von Grün-Rot zu sprechen. Parallel führt er aber auch Sondierungsgespräche mit der CSU. Dietl unterstrich, die Gespräche mit den Grünen seien kein Selbstläufer: „Wenn wir merken, dass wir nicht vorkommen, dann ist es auch immer eine Option, in die Opposition zu gehen.“

Krause übernimmt das Amt des Oberbürgermeisters zum 1. Mai. Am 11. Mai tritt der neu gewählte Stadtrat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen, bis dahin soll die Koalitionsfrage geklärt sein. Der enge Zeitplan erhöht den Druck auf die Verhandlungspartner, eine tragfähige Mehrheit zu organisieren. Wie sich die Machtverhältnisse im Rathaus nach dem Wechsel an der Stadtspitze im Detail verschieben, bleibt offen – klar ist jedoch, dass die SPD trotz des Verlusts des Oberbürgermeisterpostens ihr Gewicht in einer möglichen grün-roten Koalition neu definieren will.

VW-Rivian-Joint-Venture erreicht Meilenstein: Elektronik-Plattform besteht Wintererprobung

30.03.2026


Volkswagen und der US-Elektroautobauer Rivian haben bei der Entwicklung einer neuen Elektronik-Architektur für künftige Stromer einen wichtigen Meilenstein erreicht. Im nordschwedischen Arjeplog, nur wenige Kilometer südlich des Polarkreises, schloss das gemeinsame Entwicklungsunternehmen beider Konzerne eine mehrmonatige Wintererprobung erfolgreich ab. Drei Referenzfahrzeuge von VW, Audi und der wiederbelebten US-Marke Scout wurden seit November bei Minusgraden, Eis und Schnee einem Härtetest unterzogen.

Im Fokus stand dabei unter anderem der geplante Einstiegsstromer VW ID.Every1, der 2027 für rund 20.000 Euro auf den Markt kommen soll. Er wird das erste Modell des Konzerns sein, das mit der neuen Elektronik-Architektur aus dem Joint Venture mit Rivian an den Start geht. Nach dem Debüt im ID.Every1 will Volkswagen die Architektur konzernweit über alle Marken ausrollen. Nach Audi und Scout sollen früheren Angaben zufolge auch Porsche und anschließend alle weiteren Konzernmarken folgen. Eingesetzt wird die Technik ausschließlich in Elektrofahrzeugen und ist auf westliche Märkte außerhalb Chinas ausgerichtet.

„Mit dem erfolgreichen Abschluss der Wintertests zeigt unser Joint Venture erneut, wie schnell und präzise dort gearbeitet wird“, erklärte Konzernchef Oliver Blume laut Mitteilung. Die Ergebnisse belegten, dass die neue Architektur „unter harten winterklimatischen und anspruchsvollen fahrdynamischen Bedingungen bereits zuverlässig funktioniert“. Damit seien die Voraussetzungen für die nächsten Entwicklungsschritte im Gemeinschaftsunternehmen sowie für die weitere Produkt- und Plattformplanung in den Marken geschaffen.

Das im November 2024 gegründete Gemeinschaftsunternehmen firmiert unter dem Namen Rivian and Volkswagen Group Technologies (RV Tech). Es entwickelt die Elektronik-Architektur künftiger VW-Elektroautos auf Basis der Technologie von Rivian. Volkswagen hatte sich im vergangenen Jahr zu milliardenschweren Investitionen in die Zusammenarbeit entschlossen, um die Software- und Elektronikkompetenz seiner nächsten Fahrzeuggeneration zu stärken. Die nun abgeschlossenen Tests in Nordschweden markieren den Übergang von der Konzeptphase in die weiterführende Industrialisierung der neuen Plattform.