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Die wichtigsten Börsen Europas haben am Donnerstag ihren Erholungsversuch abgebrochen. Sorgen bereitet der Ölpreis, der infolge des Iran-Kriegs nach der jüngsten Pause wieder nach oben geschnellt ist. Darauf reagierte am Nachmittag die New Yorker Wall Street mit kräftigen Verlusten, was die Unsicherheit und Sorgen der Anleger verstärkte.
Der EuroStoxx 50 büßte nach einer Stabilisierung letztlich 1,50 Prozent auf 5.782,89 Punkte ein. Damit ist der Leitindex der Eurozone, nachdem er am Montag als Reaktion auf den Iran-Krieg unter die 21-Tage-Durchschnittslinie für den kurzfristigen Trend gefallen war, auch unter die 90-Tage-Linie gesackt. Diese gleitende Durchschnittslinie ist ein wichtiger charttechnischer Indikator für den mittelfristigen Trend. Positiv bleibt unterdessen, dass der EuroStoxx nicht unter die Tiefstände der vergangenen zwei Tage sackte.
Außerhalb der Eurozone gab der britische Leitindex FTSE 100 um 1,45 Prozent auf 10.413,94 Punkte nach. Der Schweizer SMI sank um 1,57 Prozent auf 13.298,30 Zähler. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, die eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Handel mit Öl und Gas ist, ist inzwischen fast zum Erliegen gekommen. Öllieferungen der Produzenten am Persischen Golf sind unterbrochen und somit die Förderländer gezwungen, ihre Produktion zu drosseln.
Die Vorsicht spiegelte sich erneut deutlich in den Verlusten des Reise- und Freizeitsektors wider. Die leichte Vortageserholung nahmen Anleger zum Anlass, zu verkaufen. Air France-KLM etwa verloren 2,4 Prozent und in London büßten IAG 3,6 Prozent ein. Ölwerte dagegen blieben überwiegend gefragt. Eni stiegen um 1,3 Prozent und in London gewannen BP 2,2 Prozent und Shell 1,5 Prozent.
Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe geht mit einer großangelegten Razzia gegen ein mutmaßlich europaweit agierendes rechtsextremes Verlagsnetzwerk vor. Im Zentrum der Ermittlungen steht der Verlag „Der Schelm“, der seit Jahren antisemitische Schriften, Nachdrucke aus der Zeit des Nationalsozialismus sowie rassistische und den Holocaust leugnende Veröffentlichungen über einen Onlineversand vertreibt. Die Durchsuchungen begannen am Mittwochmorgen zeitgleich in mehreren Bundesländern sowie im Ausland und richten sich gegen insgesamt acht Beschuldigte.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werden sechs Männern und zwei Frauen deutscher Herkunft vorgeworfen, zwischen 2022 und 2024 in mindestens 488 Fällen gemeinschaftlich volksverhetzende Druckwerke hergestellt, verbreitet, geliefert und gelagert zu haben. Zu den Beschuldigten zählen unter anderem zwei Druckereibesitzer, ein Grafiker, ein IT-Spezialist und der Inhaber eines Business-Centers. Ein Druckereibesitzer soll Beihilfe geleistet haben. Hauptbeschuldigter ist der aus Leipzig stammende Verlagsinhaber Adrian P., der seit Jahren im Ausland lebt und laut früheren Angaben bereits einmal einer Auslieferung entgangen sein soll.
Bundesweit rückte das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit Unterstützung örtlicher Polizeikräfte aus. Durchsucht wurden Wohnungen und Geschäftsräume in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen, darunter nach rbb-Informationen Standorte in Leipzig, Pforzheim, Neuenbürg, Bottrop, Schönwald und Wertheim. Parallel dazu koordinierten die Karlsruher Ermittler Maßnahmen im Ausland: In Polen wurde eine Druckerei überprüft, in Spanien nahmen sich Beamte eine Lagerhalle sowie weitere Privat- und Firmenräume vor.
Die Einsatzkräfte stellten umfangreiche Beweismittel sicher, darunter gedruckte Schriften, Bestelllisten, Propagandamaterial, NS-Devotionalien sowie Computer und Datenträger. Der Verlag „Der Schelm“ bietet nach übereinstimmenden Recherchen seit mindestens einem Jahrzehnt rund 100 Nachdrucke antisemitischer Bücher und Schriften aus der NS-Zeit sowie weitere in Deutschland verbotene Titel an. Ermittler sehen in den aktuellen Maßnahmen einen weiteren Schritt, die Vertriebsstrukturen des Netzwerks zu zerschlagen und die Verantwortung der mutmaßlichen Betreiber strafrechtlich aufzuarbeiten.